Podcastfolge #95: „New Work“ und die Arbeit der Zukunft als Yogalehrer:in

Was genau ist "New Work"? Wie kann man die Arbeit als Yogalehrerin in diesem Stil transformieren? Was sind Hürden in der Selbstständigkeit als Yogalehrerin? Alexandra Scheller ist Yogalehrerin und Business Coach und beantwortet genau diese Fragen in diesem Blogartikel.

“New Work”: Die Arbeit der Zukunft als Yogalehrerin-Interview mit Alexandra Scheller

Alexandra Scheller ist Kundalini Yogalehrerin und Business Coach für Angestellte, Teams und Führungskräfte, die ihre berufliche Karriere ändern wollen.

In der 95. Podcast-Folge von Yoga als Beruf sprechen wir über “New Work” und wie die Zukunft der Arbeit in großen Konzernen, Unternehmen und vor allem auch in der Selbstständigkeit als Yogalehrer:in aussehen und verbessert werden kann.

Was genau bedeutet “New Work”?

“New Work” (Deutsch: neue Arbeit) ist ein 50 Jahre alter Begriff von Frithjof Bergmann und steht für die Transformation der Arbeitswelt.

Das Ziel ist, in der Arbeit ein neues Mindset zu etablieren und Selbstverantwortung, Empowerment und Freiheit zu fördern. 

Dabei sollen Hierarchien verflacht und eine gemeinschaftliche Führung aufgebaut werden.

Ein wichtiger Punkt ist die Selbstorganisation und selbstständiges Arbeiten sowohl in der Anstellung als auch in der Selbstständigkeit.

Warum ist New Work nicht einfach nur “weniger Arbeiten”?

“New Work” hat verschiedene Facetten: Zum einen geht es darum sinn-und werteorientierter, als auch kompetenz-basiert zu arbeiten, egal ob man eine Führungskraft oder Teil eines Teams ist.

Man kann sich also fragen: Was sind z.B. die eigenen Stärken und wie kann man diese in die Arbeit einbringen? Welche Visionen hat man gleichzeitig und zu welchem großen Thema möchte man in der Welt beitragen (z.B. Klimawandel, Gleichheit etc.)?
Es geht zusätzlich auch um den Ausdruck von sich selbst, aber auch um den Einfluss, den man durch seine Arbeit hat, um zu einem gesamtgesellschaftlichen Wohl beizutragen.

Welche Kompetenzen braucht man für diese andere Arbeitswelt? 

Die Kompetenzen sind in 4 Felder eingeteilt:

  • Selbstmanagement/Selbstführung: Man weiß was die eigenen Stärken, Werte und Bedürfnisse sind. Ebenso ist man sich seiner dysfunktionale Gedanken bewusst und warum man deshalb in bestimmten Situationen auf eine bestimmte Art und Weise agiert/reagiert (Selbstbewusstsein hat damit auch zutun)
  • Beziehung: Man lernt, wie man eine Beziehung erschafft, aber auch wie man sich in dieser selbst etabliert. Dazu gehören auch die Themen Empathie, Fähigkeit, Kontaktfreudigkeit, Zusammenarbeit, Feedback geben/bekommen, Vorbild sein u.ä.
  • Geistige Fähigkeiten: Wie man Wesentliches von Unwesentlichem unterscheidet, in einer Welt an “Information overload”
  • Selbstwirksamkeit: Das gilt nicht nur für Unternehmertum, sondern das “unternehmerische Denken” sollen auch Angestellte übernehmen: Mutig sein, Risiken eingehen, bereit für Veränderung sein, mit Fehlerkultur und Zielorientierung umgehen lernen.

Das Thema “Macht und Verantwortung” spielt in der Arbeitswelt auch eine große Rolle. Denn zum Thema Macht gibt es viele negative Glaubenssätze, vor allem unter Yogalehrer:innen, z.B. dass Macht immer böse und schlecht ist.

Als Yogalehrer:in hat man nämlich auch einen gewissen Einfluss: Indem man Menschen eine andere Sichtweise und Kontakt mit sich selbst ermöglicht

Das ist aber nicht nur negativ: Jeder kann Macht für sich definieren und Grenzen festlegen, solange man nicht manipulativ und ausbeuterisch ist.

Geht die gesamte Arbeitswelt in die Richtung “New Work”?

Heute ist in der Arbeitswelt zu beobachten, dass es kaum mehr nur den “Arbeitgeber-Markt” gibt, sondern eine Tendenz zum „Arbeitnehmermarkt“ besteht.

Das heißt, Leute können sich aussuchen, wo sie arbeiten, anstatt von Unternehmen ausgewählt zu werden.

Die Zusammenarbeit muss aber insgesamt menschlicher werden. Wo früher das Kapital für den Erfolg eines Unternehmens ausschlaggebend war, sind es heute die Mitarbeiter:innen.

Wenn es also zu unmenschlichen Verhältnissen kommt und Mitarbeiter:innen kündigen, dann führt das immer öfter dazu, dass Unternehmen insolvent gehen.

Ist es für selbstständige Yogalehrer:innen möglich, Privates und Arbeit zu trennen? 

Da man inzwischen fast jedes Hobby monetarisieren kann, kommt es oft zu einem “work life blending“, anstatt einer “work life balance”. 

Selbstmanagement und innere Führung sind hier für selbstständige Yogalehrer:innen relevant, da die äußere Struktur, die man sonst in der Anstellung hatte, komplett wegfällt.

Diese Struktur muss man dann von innen suchen.

Yoga ist eine gute Praxis dafür zu lernen, auf die inneren Signale und Sirenen zu hören, wenn es einem nicht gut geht. Dann darf die Arbeit auch mal pausieren.

Man kann lernen, selbst eine wichtige Führungskraft zu sein: Man kann sich selbst loben, selbst Feedback einholen, selbst motivieren usw.

Wie kann man als Yogalehrer:in die eigene Arbeit transformieren?

Viele Yogalehrer:innen betreiben bereits innere Arbeit, die sich aber nicht automatisch auf das Arbeitswesen überträgt.

Trotz guter “Innenschau” werden immer noch zu viele Klassen unterrichtet, zu viele Angebote angenommen, was z.B. zu Burnout führen kann.

In Hinsicht auf das Arbeitsverhältnis ist es dann notwendig, Mindset Arbeit zu machen. Der Yoga Beruf soll Freude bringen und die Lehrer:in nicht auslaugen.

Auch sollte man hinterfragen, ob man unterbewusst noch ein “altes” Leben mit alten Mustern führt. Zwar ist man selbstständig und zum Beruf Yogalehrer:in gewechselt, was aber nicht bedeutet, dass man die “alte Arbeitswelt” hinter sich gelassen hat.

Es erfordert dann viel Achtsamkeit, wie man mit sich in der Selbstständigkeit umgeht. Wie liebevoll/hart ist man zu sich selbst, was sind die eigenen Ansprüche und Erwartungen an das Yogabusiness?

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