Podcastfolge #87: Toxisches Marketing im Yoga Business

Was genau ist toxisches Marketing und woran erkenne ich es? Welche Marketingstrategien sollte ich als selbstständige Yogalehrer:in vermeiden? Inga Kälber ist zu Gast im Podcast von Yoga als Beruf und beantwortet alle Fragen ausführlich in diesem Blogartikel.

Interview mit Inga Kälber – über toxisches und manipulatives Marketing im Yoga Business

Inga Kälber ist Mentorin für Graphik Design und heute zum zweiten Mal zu Gast im Podcast von Yoga als Beruf. In dieser spannenden Episode sprechen wir über manipulatives und toxisches Marketing und wie wir unsere Marketingstrategien in der Selbstständigkeit generell besser gestalten können.

Was genau ist toxisches und manipulatives Marketing?

Marketing ist an sich grundsätzlich manipulativ, je nachdem wie man es für sich selbst definiert. Denn durch Marketing bringt man Menschen dazu etwas zu tun. 

Schlimm ist Marketing aber erst, wenn es auf Kosten einer anderen Person geht und damit mehr oder weniger sichtbare Schäden einhergehen.

Inga beobachtet in ihrer „Online-Bubble“ oft, wie durch Marketing extrem viel Druck und Schuldgefühle bei Menschen ausgelöst werden. Das führt dann dazu, dass man denkt, man wäre nicht gut und erfolgreich genug. Das kann im psychischen und monetären Sinn viel Schaden anrichten.

Welche Rolle spielt die Kommunikation im Marketing?

Kommunikation ist sehr wichtig, denn oft geht es darum, WIE man etwas vermittelt. Nicht alles ist sofort schlecht. Es gibt zum Beispiel kleine Sachen im Marketing, die okay, aber nicht ideal sind und über dessen Anwendung man sich streiten kann.

Ein Beispiel wären “Preise”:

Bekannt sind die sogenannten “Charming Prices”: Wenn man etwas für 2.85 statt 3 Euro verkauft oder für 1.995 Euro statt 2.000 Euro. Denn damit geht einher, dass man denkt, man hätte gespart, obwohl man eigentlich den vollen Preis bezahlt. Viele Menschen sagen aber, diese Art von Marketing ist nicht so wild.

Ein anderes Beispiel sind die “Engelszahlenpreise”.  Zum Beispiel  “777 Euro”  oder “1.111 Euro”. Da muss man sich immer fragen, ist das, was man zahlt, in einem guten Verhältnis zu dem, was man bekommt? Ist da eine nachvollziehbare Berechnung dran?

Was sind jetzt z.B. sehr manipulative Marketingstrategien? 

Gefährlich wird es immer dann wenn Sätze im Spiel sind, die Druck verursachen

  1. “Du kannst nur jetzt kaufen und dann nie wieder” oder “Das ist jetzt die Chance deines Lebens”.

Das führt zu einer extremen Angst, etwas zu verpassen. Es ist nie gut mit den Ängsten von Menschen zu spielen. Das führt zu einem hohen Stresslevel im Körper und ist für nachhaltiges Wachstum überhaupt nicht gut. Leider gibt es zu viele Menschen, die diese Ängste ausnutzen. 

Wenn Gefühle ausgenutzt werden:

  1. Wenn du es jetzt fühlst, dann solltest du es unbedingt kaufen”.

Meistens fühlt man aber immer irgendwas, wenn die Angebote gut dargestellt werden: Das heißt aber nicht, dass man das Angebot direkt kaufen muss. Man sollte solche Entscheidungen nicht treffen, nur weil man etwas fühlt. Nachhaltig wäre sanftes Marketing, das die Menschen an dem Punkt abholt, an dem sie gerade sind.

Weiterhin sehr problematisch sind Versprechen und/oder Lügen wie

  1.  “Ich versichere dir, dass xy in dem und dem Zeitraum passiert”.

Kein Coach:in kann Erfolge garantieren. Dann melden sich nämlich eventuell auch Leute an, die eventuell gar nicht die Zielgruppe sind. Man kann Leute immer unterstützen, aber man kann keine Dinge in einem bestimmten Zeitraum versprechen. 

Escort-und sexualisiertes Marketing sind leider auch ein Problem: Wenn Dinge verkauft werden, die keinen Inhalt haben, 

  1. “Komm in mein Angebot und sei in meiner Energie”. 

Das ist kein Angebot und absolut kein Mehrwert, sondern nur heiße Luft und es wird einem nichts mitgegeben. Das ist auch manipulativ und grenzt fast schon an einen “Personenkult”. 

Das Mindset Problem ist auch gefährlich:

  1. “Du allein kannst es schaffen, du musst es nur wollen” oder  “wenn du es nicht schaffst, dann liegt es nur an dir und du allein bist verantwortlich”.

Das ist unheimlich manipulativ, denn oft spielen andere Faktoren, wie gesellschaftliche Strukturen und Privilegien eine große Rolle. Nicht jeder kann sich alles leisten. 

Ganz wichtig ist also immer, bei sich selbst zu bleiben und sich zu fragen: Ist das gerade wirklich das, was ich brauche?

Woran merkt man, dass man aus Versehen manipulative Marketingstrategien benutzt?

In dem man sich zum Beispiel weiterbildet. Wir können nur dazulernen. Fehler passieren und  man ist nicht perfekt.

Wenn sich jetzt jemand ertappt fühlt und etwas ändern möchte, dann kann man z.B.: 

Posts archivieren, neue Posts erstellen, Website Texte ändern, sich selbst fragen: Was löse ich aus mit meinem Marketing? Ist diese Person passend für mein Programm? Kann ich ihr wirklich helfen? Oder möchte ich nur das Geld der Person? 

Wenn Plätze in einem Angebot begrenzt sind (z.B. bei einem Yoga Retreat) dann sollte man das direkt von Anfang an kommunizieren, lange vorher launchen, damit die Person wirklich Zeit hat sich zu überlegen, ob sie das Angebot kaufen möchte. Auch Preise rechtzeitig zu kommunizieren ist total wichtig.

Und dann offen mit Fakten umgehen und ehrlich sein: Man sollte es nicht nötig haben etwas zu versprechen, nur um etwas zu verkaufen.

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