Podcastfolge #41: Über Burnouts im Yogabusiness

Wie entstehen Burnouts? Und warum sind Yogalehrer:innen besonders häufig davon betroffen? Dennou Schaller ist zu Besuch im Podcast Yoga als Beruf und beantowrtet uns alle Fragen rund um das Thema "Burnouts" und Prävention

Über Yoga Präventionskurse zum Thema Angst/Burnout: Interview mit Deddou Schaller

Deddou Schaller ist zu Gast im Podcast von Yoga als Beruf und spricht mit mir über ihre Präventionskurse zum Thema “Burnout vermeiden als Yogalehrer:in” 

Deddou ist seit 2012 Yogalehrerin und hat vor 9 Jahren ihr eigenes Business “Pop up Yoga” gegründet, mit dem Ziel, Yoga für alle Menschen zugänglich zu machen. Dieses wuchs über die nächsten Jahre so stark,dass sie während der “Peak Zeit” ein Team von 9 Yogalehrer:innen hatte.

In diesen 9 Jahren hat Deddou viele Erfahrungen gesammelt, was es bedeutet, ein eigenes Yogabusiness zu gründen. Ihre Arbeit bestand nicht nur aus Yoga Unterricht, sondern auch darin Yogalehrer:innen auszubilden, Lehrer:innen aus der ganzen Welt einzuladen, Retreats zu geben und noch viel mehr.

Burnouts vermeiden als selbstständige Yogalehrer:in

Seit letztem Jahr fokussiert sie sich hauptsächlich darauf, Yogalehrer:innen zu coachen und ihnen die Selbstständigkeit zu erleichtern. Ein wichtiger Bestandteil dieses Coachings ist dabei, Burnouts zu vermeiden.

Gerade im Beruf Yoga spielt das Thema Burnouts eine große Rolle. Diese schleichen sich oft unbewusst in den Alltag hinein, bis man an einen Punkt gerät, an dem man nicht mehr weitermachen kann wie bisher und unter mentalem und körperlichem Stress leidet.

Wie passiert es, dass sich Burnouts heimlich und leise in den Beruf einschleichen?

Deddou sagt, dass viele Yogalehrer:innen mit so viel Leidenschaft und Freude unterrichten, dass sie oft zu viele Klassen anbieten, den Wunsch haben überall mitzuwirken und zu vielen Angeboten und Nachfragen einfach nicht “nein” sagen können.

Dass Burnouts entstehen liegt oft an den folgenden Dingen:

  1. Durch den großen Druck, der Rolle als “Vorbild für die Schüler:innen” und speziell als Yogalehrer:in gerecht zu werden – das ist vor allem in der Yoga Branche ein großes Thema.
  1. Dasselbe Mindset, welches man im vorherigen Angestellten-Dasein hatte, wird meist auf die Selbstständigkeit übertragen, welches einen schnell ausbrennt
  1. Die Tatsache, dass selbstständige Yogalehrer:innen viel mehr Arbeitsstunden haben, als Angestellte mit einer 42 Std. Woche und sich wenig bis zu gar keine Pausen gönnen.

Wenn man sich die nötigen Pausen nicht gönnt, wenn man so viel arbeitet und diese vergisst, dann können sich Burnouts schnell einschleichen. Dabei kommt es schnell zu körperlicher und emotionaler Erschöpfung. Das merkt man vor allem dann, wenn einen kleine und eigentlich unbedeutende Dinge (wie eine Email beantworten) triggern und fertig machen.

Nachhaltig gerne Yogalehrer:innen sein: Wie geht das? 

Deddou sagt, dass sie online viel recherchiert hat, wie man Burnouts vermeiden und verhindern kann. Ein Grund dafür wäre wohl, wenn die eigene Yogapraxis vernachlässigt wird.

Das ist allerdings ein heikles Thema:

Denn viele Yogalehrer:innen vernachlässigen die eigene Praxis nicht, sind sich aber dennoch nicht bewusst, dass die Yogapraxis oft nicht mehr zu Entspannung und Aufladen der Reserven führt:

Wenn man z.B. die eigene Praxis als Vorbereitung für die kommenden Yogaklassen nutzt oder wenn die eigene Praxis aus einem Druck heraus geschieht (man müsste ja mal wieder selbst Yoga praktizieren oder man müsste so und so lange praktizieren etc).

Wichtig ist es, dass man als Yogalehrer:in herausfindet, was einen wirklich nährt und erfüllt und was einen für die Arbeit inspiriert. Das kann alles mögliche sein und muss auch nichts mit Yoga zutun haben.

Man kann sich zu Beispiel:

  • Mit Freund:innen treffen
  • Spazieren/in die Natur gehen,
  • Podcasts hören
  • Lesen uvm.

Oft fällt es Yogalehrer:innen schwer, zwischen Privat und Beruf eine klare Grenze zu ziehen. Daher kommt auch der Begriff Work/Life Balance. 

Wichtig ist, dass man in ein Umdenken kommt und immer wieder Momente findet, in denen man sich wirklich entspannen kann. Das muss auch nicht die physische Praxis, Asanas, sein.

Wenn es einem nicht gut geht, dann DARF man sich auch Hilfe holen, das ist erlaubt. Das hat nichts mit Schwäche zutun. Schließlich gibt man als Yogalehrer:in sehr viel: Doch wie bekommt man die Energie wieder zurück? Was ist das eigene Support System?

Ist es ein strukturelles Problem warum Yogalehrer:innen besonders von Burnouts betroffen sind?

Generell kann man sagen, dass im Lehrberuf (nicht nur im Beruf Yoga) ca. 60 Prozent an chronischem Stress leiden. Dazu gehört auch die psychische Gesundheit.

Leider ist es oft so, dass Yogalehrer:innen denken, sie “dürften” nicht an Burnout leiden, da sie Angst haben, dann nicht mehr als eine gute Yogalehrer:in betrachtet zu werden. Das zuzugeben, ist also für viele sehr schwer.

Die Struktur im Yogabusiness spielt dabei natürlich eine große Rolle:

Denn als selbstständige Yogalehrerin besteht die Arbeit nicht nur aus dem eigentlichen Unterrichten, sondern man hat sich im Hintergrund noch um so viele andere Dinge zu kümmern.Buchhaltung, Organisation, Social Media, Marketing usw.  Wenn da keine Struktur herrscht, dann fühlt man sich schnell überwältigt und ausgelaugt.

Man sollte also so viele Abläufe wie möglich automatisieren. 

Zusätzlich kommt dazu, dass Yogalehrer:innen oft denken, sie müssten in jeder Unterrichtsstunde 100% authentisch sein und die Stunde maximal ausfüllen und originell gestalten.

Auch das ist nicht immer realistisch und sollte man sich bewusst machen. Und wenn es mal nicht so gut läuft, dann auch das annehmen und anerkennen und nicht noch die Schuld auf sich selbst schieben.

Sonnen/Mondenergien auch in den Alltag übertragen

Was man als Yogaleher:in oft unterrichtet ist, dass man die Stunde mit der Sonnenenergie (aktiv und energetisch) beginnt und in der Mondenergie beendet (in die Entspannung gehen)., Dieser Ablauf kann auch auf den eigenen Alltag übertragen werden.

Dass man die Mondenergie nutzt und “einlädt”, um die Reserven aufzutanken um dann Kraft zu haben, in die Sonnenenergie zu gehen. Oft ist es einfacher, seine Zeit mit “Tun” zu füllen. Denn in unserer Gesellschaft wird “Nichts tun” immer noch mit “Faul sein” und “Unproduktivität” assoziiert.

Auch die Yogaklassen dürfen an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Wer sich also schlapp und müde fühlt, muss keine Power Yoga Vinyasa Flow Klasse anbieten. Denn das ist dann nicht authentisch. Und Selbstständig sein bedeutet auch, die eigene Zeit so zu gestalten, wie es für einen selbst am besten ist.

Man sollte für die Yogaklassen die Energie nutzen, die man an diesem Tag verspürt.  Das überträgt sich dann auch positiv auf die Schüler:innen.

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