Yoga gilt als offen – doch stimmt das wirklich?
Yoga wird häufig als Ort der Verbindung beschrieben. Auf Webseiten, in Kursbeschreibungen und Ausbildungsprogrammen ist von Achtsamkeit, Gemeinschaft und einem Raum für alle die Rede. Viele Yogalehrer:innen wünschen sich eine offene Community, in der jeder Mensch willkommen ist – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Körperform, Alter oder sexueller Orientierung.
Doch zwischen diesem Ideal und der Realität besteht häufig eine Lücke.
Genau darüber sprechen Antonia Reinhardt und ihre Mentee Marija Mihaljevic im Podcast. Gemeinsam werfen sie einen ehrlichen Blick auf die Yoga-Branche und stellen eine Frage, die bisher viel zu selten gestellt wird: Wie inklusiv sind Yoga-Räume tatsächlich?
Das Gespräch zeigt, dass Diskriminierung nicht immer laut oder offensichtlich ist. Viel häufiger begegnet sie Menschen in Form kleiner Bemerkungen, unausgesprochener Erwartungen oder Strukturen, die manche Personen selbstverständlich einschließen und andere unbewusst ausschließen.
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Weitere InformationenYoga bedeutet mehr als körperliche Praxis
Die Philosophie des Yoga spricht von Mitgefühl, Achtsamkeit und Verbundenheit. Gleichzeitig erleben viele Menschen, dass genau diese Werte im Alltag nicht immer gelebt werden.
Marija beschreibt im Podcast sehr offen ihre Erfahrungen während ihrer Yoga-Ausbildungen. Sie ging mit der Erwartung in die Ausbildung, einen Raum vorzufinden, in dem unterschiedliche Lebensrealitäten selbstverständlich Platz haben. Stattdessen begegnete sie immer wieder diskriminierenden Aussagen und Mikroaggressionen, die von Lehrenden weder erkannt noch reflektiert wurden.
Besonders schmerzhaft war dabei nicht nur die Aussage selbst, sondern die Reaktion darauf. Hinweise auf problematische Formulierungen wurden häufig abgewehrt oder relativiert, anstatt als Möglichkeit zur Reflexion genutzt zu werden.
Gerade darin zeigt sich ein wichtiger Unterschied: Offenheit bedeutet nicht, keine Fehler zu machen. Offenheit bedeutet, bereit zu sein, sie anzuerkennen und daraus zu lernen.
Diskriminierung beginnt oft im Kleinen
Wenn über Diskriminierung gesprochen wird, denken viele zunächst an extreme Situationen. Im Alltag entstehen Ausgrenzungen jedoch häufig viel subtiler.
Es sind Fragen wie „Wo kommst du eigentlich wirklich her?“, stereotype Zuschreibungen oder Verallgemeinerungen über bestimmte Bevölkerungsgruppen. Einzelne Aussagen mögen harmlos wirken. Für die Menschen, die sie regelmäßig erleben, summieren sie sich jedoch zu einer dauerhaften Erfahrung des Andersseins.
Im Podcast beschreibt Marija genau diese Form der Mikroaggressionen. Sie berichtet davon, wie selbstverständlich bestimmte Klischees reproduziert wurden und wie schwierig es war, diese innerhalb der Ausbildung anzusprechen.
Wer selbst nicht betroffen ist, bemerkt diese Situationen häufig gar nicht. Genau deshalb ist Sensibilisierung so wichtig.
Warum Schweigen bestehende Strukturen erhält
Ein Gedanke zieht sich durch das gesamte Gespräch: Diskriminierung entsteht nicht nur durch diskriminierende Aussagen, sondern auch durch Schweigen.
Viele Menschen bemerken problematische Situationen durchaus. Trotzdem sagen sie nichts.
Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Manche fühlen sich unsicher, andere möchten keinen Konflikt auslösen oder wissen schlicht nicht, wie sie reagieren sollen.
Doch genau dieses Schweigen sorgt dafür, dass bestehende Strukturen bestehen bleiben.
Wer nichts sagt, bestätigt ungewollt häufig den Eindruck, dass alles in Ordnung sei.
Dabei muss niemand perfekt reagieren. Oft reicht bereits eine Nachfrage oder ein Signal an betroffene Personen, dass sie nicht allein sind.
Privilegien erkennen bedeutet nicht, sich schuldig zu fühlen
Ein weiterer zentraler Aspekt des Podcasts ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien.
Dieses Thema löst häufig Unsicherheit aus. Viele Menschen verbinden Privilegien automatisch mit Schuld oder persönlichen Vorwürfen.
Dabei geht es um etwas anderes.
Privilegien beschreiben gesellschaftliche Vorteile, die wir häufig gar nicht bewusst wahrnehmen, weil sie für uns selbstverständlich geworden sind.
Wer beispielsweise nie aufgrund seiner Herkunft, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung ausgegrenzt wurde, muss sich über viele Situationen keine Gedanken machen.
Diese Erkenntnis soll keine Schuld erzeugen. Sie schafft vielmehr Bewusstsein.
Erst wenn wir verstehen, welche Erfahrungen andere Menschen machen, können wir unser eigenes Verhalten reflektieren und Räume schaffen, in denen sich mehr Menschen willkommen fühlen.
Was bedeutet Ally-Sein im Yoga?
Ein Begriff, der im Podcast mehrfach fällt, ist Ally-Sein.
Ein Ally ist eine Person, die Menschen aus diskriminierten Gruppen aktiv unterstützt, ohne selbst Teil dieser Gruppe sein zu müssen.
Dabei geht es nicht darum, stellvertretend für andere zu sprechen.
Es geht darum,
- zuzuhören,
- eigene Privilegien zu reflektieren,
- diskriminierende Situationen nicht zu ignorieren,
- Betroffenen den Rücken zu stärken,
- Verantwortung zu übernehmen und
- kontinuierlich weiterzulernen.
Marija beschreibt Ally-Sein als Haltung, nicht als Label. Entscheidend sei nicht, ob jemand sich selbst als Ally bezeichnet, sondern ob dieses Verhalten im Alltag tatsächlich sichtbar wird.
Was können Yogalehrer:innen konkret tun?
Viele Yogalehrer:innen möchten ihre Räume möglichst offen gestalten. Gleichzeitig fehlt häufig die Sicherheit, wie das konkret gelingen kann.
Der Podcast zeigt deutlich, dass es nicht um Perfektion geht.
Es geht darum, den eigenen Unterricht bewusst zu reflektieren.
Dazu gehört beispielsweise die Frage, ob sich wirklich alle Menschen in der Sprache, in Bildern oder in der Gestaltung des Unterrichts wiederfinden können.
Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, Feedback anzunehmen und sich mit Themen wie Antirassismus, Diversität und Inklusion kontinuierlich auseinanderzusetzen.
Yoga endet nicht auf der Matte.
Die yogische Praxis zeigt sich auch darin, wie wir miteinander umgehen.
Warum Yoga politischer ist, als viele denken
Viele Menschen wünschen sich, Yoga von gesellschaftlichen Themen zu trennen.
Doch genau das hinterfragt der Podcast kritisch.
Wenn Yoga Mitgefühl, Verbundenheit und Gewaltlosigkeit lehrt, dann lassen sich gesellschaftliche Ungleichheiten nicht vollständig ausblenden.
Wer Yoga unterrichtet, gestaltet Räume für Menschen.
Und überall dort, wo Menschen zusammenkommen, spielen Machtverhältnisse, Zugehörigkeit und Diskriminierung eine Rolle.
Deshalb bedeutet Yoga nicht, Probleme wegzumeditieren.
Yoga kann vielmehr Kraft geben, Verantwortung zu übernehmen und sich für gerechtere Räume einzusetzen.
Diversität macht Yoga stärker
Eine vielfältige Yoga-Community bedeutet nicht nur mehr unterschiedliche Menschen im Raum.
Sie bedeutet unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Geschichten.
Je mehr Menschen sich willkommen fühlen, desto größer wird die Chance, voneinander zu lernen.
Diversität bereichert nicht nur einzelne Yogastunden.
Sie stärkt langfristig die gesamte Yoga-Branche.
Fazit
Yoga möchte Verbindung schaffen.
Damit dieses Ziel Wirklichkeit wird, braucht es mehr als schöne Worte auf Webseiten oder in Kursbeschreibungen.
Es braucht die Bereitschaft, zuzuhören, eigene Privilegien zu reflektieren und Verantwortung für die Gestaltung sicherer Räume zu übernehmen.
Diskriminierung verschwindet nicht dadurch, dass wir nicht darüber sprechen.
Sie verschwindet erst, wenn wir beginnen hinzusehen.
Der Podcast mit Marija Mihaljevic zeigt eindrucksvoll, dass genau darin eine große Chance für die Yoga-Community liegt: Räume zu schaffen, in denen Offenheit nicht nur behauptet, sondern tatsächlich gelebt wird.
Und über diesen Link kommst du direkt zum Podcast:
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Weitere InformationenIch wünsche dir viel Spaß beim Anhören der Folge,
Happy Yogabusiness Aufbau, deine Antonia
FAQ
Grundsätzlich ja. Allerdings erleben nicht alle Menschen Yoga-Räume gleichermaßen als sicher oder einladend. Deshalb gewinnt das Thema Diversität und Inklusion in der Yoga-Community zunehmend an Bedeutung.
Ally-Sein beschreibt die aktive Unterstützung von Menschen, die Diskriminierung erfahren. Dazu gehören Zuhören, eigene Privilegien reflektieren, diskriminierende Situationen ansprechen und kontinuierliches Lernen.
Mikroaggressionen sind häufig unbewusste Bemerkungen oder Verhaltensweisen, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Identität oder anderer Merkmale ausgrenzen oder stereotypisieren.
Yogalehrer:innen gestalten Räume für Menschen. Wer einen sicheren und offenen Unterricht ermöglichen möchte, profitiert davon, sich mit Themen wie Diversität, Antidiskriminierung und Inklusion auseinanderzusetzen.
Der erste Schritt besteht darin, die eigene Sprache, Bilder und Gewohnheiten zu reflektieren. Ebenso wichtig sind Offenheit für Feedback, kontinuierliche Weiterbildung und die Bereitschaft, unterschiedliche Lebensrealitäten mitzudenken.


