Fast jede Yoga Lehrerin kennt diesen Moment: Die Stunde beginnt gleich, die Matten liegen bereits im Raum, die ersten Teilnehmer:innen kommen an, und kurz vor Beginn sagt jemand nebenbei: „Ich wollte nur kurz Bescheid sagen, ich habe einen Bandscheibenvorfall.“ Oder eine Teilnehmerin erzählt, dass sie Arthrose im Knie hat, seit Wochen Schulterbeschwerden spürt oder nach einer Verletzung wieder vorsichtig in Bewegung kommen möchte.
Genau in diesem Moment entsteht bei vielen Yogalehrerinnen eine innere Unsicherheit. Nach außen bleibt man ruhig, nickt verständnisvoll und sagt vielleicht: „Schau einfach, was für dich geht.“ Innerlich tauchen jedoch sofort Fragen auf. Darf diese Person überhaupt mitmachen? Muss ich bestimmte Asanas vermeiden? Was ist, wenn eine Bewegung die Beschwerden verschlimmert? Und müsste ich als Yogalehrerin nicht eigentlich genau wissen, was jetzt richtig ist?
Im Podcast „Yoga als Beruf“ spricht Antonia Reinhard mit Lisa Monn genau über diese Situation. Lisa ist Physiotherapeutin, Yogalehrerin, Yogatherapeutin und Autorin des Buches „Easy Yoga Anatomie“. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, Yoga Anatomie so verständlich zu erklären, dass Yogalehrerinnen sie wirklich im Unterricht anwenden können. Dabei wird schnell klar: Es geht nicht darum, aus Yogalehrerinnen Therapeutinnen zu machen, sondern darum, mehr Sicherheit im Umgang mit Körpern, Beschwerden und individuellen Grenzen zu entwickeln.
Warum Beschwerden im Yoga Unterricht so viel Unsicherheit auslösen
Viele Yoga Lehrerinnen fühlen sich auf körperliche Beschwerden im Unterricht nur begrenzt vorbereitet. Das ist vollkommen nachvollziehbar, denn eine klassische 200-Stunden-Yogalehrerinnen-Ausbildung muss viele Themen abdecken. Asanas, Sequencing, Philosophie, Pranayama, Meditation, Unterrichtsdidaktik und Anatomie finden alle ihren Platz, aber für Beschwerdebilder, Verletzungen und konkrete Anpassungen bleibt häufig nur wenig Raum.
Genau daraus entsteht eine Lücke. Anatomie wurde zwar unterrichtet, aber oft bleibt die Frage offen, wie dieses Wissen in einer realen Yogastunde angewendet werden kann. Es ist eine Sache, theoretisch etwas über die Wirbelsäule, Hüfte oder Schulter zu lernen. Es ist eine andere, wenn eine Teilnehmerin vor dir steht und sagt, dass sie eine Kalkschulter, einen Bandscheibenvorfall oder Knieschmerzen hat.
Diese Unsicherheit bedeutet jedoch nicht, dass du schlecht ausgebildet bist. Sie zeigt nur, dass Yogaunterricht in der Praxis komplexer ist als die Ausbildungssituation. Sobald du mit echten Menschen arbeitest, begegnen dir echte Körper mit echten Geschichten. Manche Menschen sind beweglich, andere eingeschränkt. Manche haben Schmerzen, andere haben Angst vor bestimmten Bewegungen. Manche wissen genau, was ihnen guttut, andere brauchen erst wieder Zugang zu ihrer Körperwahrnehmung.
Du musst keine Therapeutin sein, um sicher zu unterrichten
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch ist: Du musst als Yogalehrerin keine Therapeutin sein. Deine Aufgabe ist nicht, Diagnosen zu stellen, medizinische Einschätzungen zu geben oder therapeutische Behandlungspläne zu entwickeln. Deine Aufgabe ist es, einen Bewegungsraum zu halten, in dem Menschen ihren Körper sicherer wahrnehmen können.
Diese Unterscheidung nimmt viel Druck aus der Situation. Natürlich ist anatomisches Grundwissen hilfreich. Natürlich ist es sinnvoll, typische Beschwerdebilder grob einordnen zu können. Aber du musst nicht auf jede Diagnose eine perfekte Antwort haben.
Wenn eine Teilnehmerin mit Beschwerden kommt, darfst du ehrlich bleiben. Du darfst sagen, dass du keine Therapeutin bist. Du darfst nachfragen, ob die Beschwerden ärztlich oder physiotherapeutisch abgeklärt sind. Und du darfst gemeinsam mit der Person schauen, welche Bewegungen heute möglich sind, ohne in Schmerz oder Überforderung hineinzugehen.
Genau diese Haltung schafft oft mehr Sicherheit als der Versuch, eine schnelle Lösung zu liefern. Menschen fühlen sich ernst genommen, wenn du nicht so tust, als würdest du alles wissen, sondern wenn du aufmerksam, klar und verantwortungsvoll begleitest.
Was du sagen kannst, wenn jemand mit Beschwerden kommt
Ein Satz wie „Mach einfach, was sich gut anfühlt“ ist nicht grundsätzlich falsch. Entscheidend ist jedoch, aus welcher inneren Haltung du ihn sagst. Wenn du ihn aus Unsicherheit sagst, weil du eigentlich keine Ahnung hast und hoffst, dass schon nichts passiert, fühlt sich das anders an, als wenn du ihn bewusst und ruhig formulierst.
Eine gute Reaktion kann zum Beispiel sein: „Danke, dass du mir Bescheid sagst. Ich bin keine Therapeutin, deshalb kann ich deine Diagnose nicht medizinisch beurteilen. Achte heute sehr genau darauf, was sich für dich sicher und gut anfühlt. Wenn etwas Schmerzen auslöst oder sich nicht stimmig anfühlt, geh bitte aus der Haltung raus oder wähle eine Alternative. Ich gebe dir gerne Varianten, aber du bleibst die wichtigste Instanz für deinen Körper.“
Dieser Satz macht mehrere Dinge gleichzeitig. Er anerkennt die Information der Teilnehmerin, er klärt deine Rolle, er lädt zur Eigenverantwortung ein und er signalisiert Unterstützung. Dadurch entsteht ein Rahmen, der ehrlich und professionell ist.
Warum der Körper der Teilnehmerin eine wichtige Orientierung bleibt
Lisa Monn betont im Gespräch, dass jede Person den eigenen Körper am besten kennt. Das bedeutet nicht, dass jede Person automatisch weiß, was medizinisch sinnvoll ist. Aber es bedeutet, dass Empfindungen, Schmerz, Entlastung und Sicherheit immer im Körper der Person selbst spürbar werden.
Gerade bei Diagnosen wie Bandscheibenvorfall gibt es keine pauschale Lösung, die für alle gilt. Zwei Menschen können dieselbe Diagnose haben und vollkommen unterschiedlich auf Bewegung reagieren. Eine Person empfindet sanfte Rückbeugen als entlastend, eine andere braucht zunächst neutrale Positionen oder kleine Bewegungen. Eine Person fühlt sich in Vorbeugen sicher, eine andere erlebt dort sofort Unsicherheit oder Schmerz.
Deshalb ist es so wichtig, nicht in starre Regeln zu verfallen. Statt zu denken: „Bei Bandscheibenvorfall darf man niemals X machen“, ist es hilfreicher, mit Wahrnehmung, Kommunikation und Varianten zu arbeiten. Der Fokus liegt dann nicht darauf, eine Diagnose perfekt zu behandeln, sondern darauf, die Person in einer sicheren Bewegungserfahrung zu begleiten.
Yoga bei Bandscheibenvorfall: Warum pauschale Antworten selten helfen
Der Bandscheibenvorfall ist ein gutes Beispiel dafür, warum Yogalehrerinnen nicht in einfachen Ja-Nein-Regeln denken sollten. Viele reagieren bei diesem Begriff sofort mit Vorsicht, und das ist erst einmal verständlich. Gleichzeitig ist ein Bandscheibenvorfall nicht bei jeder Person gleich. Entscheidend ist unter anderem, ob die Beschwerden akut sind, ob Schmerzen ausstrahlen, ob neurologische Symptome bestehen, ob die Person bereits behandelt wird und wie sie aktuell auf Bewegung reagiert.
Für den Yogaunterricht bedeutet das: Wenn jemand mit einem Bandscheibenvorfall in deine Stunde kommt, solltest du nicht versuchen, eine therapeutische Lösung zu finden. Sinnvoller ist es, langsam, achtsam und variantenreich zu arbeiten. Die Person sollte nicht in Schmerz hineinbewegt werden. Gleichzeitig muss Bewegung nicht automatisch vermieden werden, denn viele Menschen profitieren davon, wieder Vertrauen in ihren Körper aufzubauen.
Lisa beschreibt im Gespräch sehr schön, dass das Nervensystem das Signal bekommen darf: Bewegung ist möglich, Bewegung kann sicher sein, der Körper darf sich wieder erfahren. Genau hier liegt eine große Stärke von Yoga. Nicht als Therapieersatz, sondern als Erfahrungsraum, in dem Menschen lernen können, ihren Körper differenzierter wahrzunehmen.
Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass Yoga gefährlich ist
Viele Yogalehrerinnen bekommen Angst, wenn Beschwerden im Raum sind, weil sie niemandem schaden möchten. Diese Sorge ist verantwortungsvoll, aber sie sollte nicht dazu führen, Bewegung grundsätzlich zu vermeiden.
Bei vielen körperlichen Themen kann achtsame Bewegung hilfreich sein. Gerade bei Gelenkbeschwerden, Verspannungen oder altersbedingten Veränderungen ist es oft sinnvoll, den Körper nicht komplett zu schonen, sondern angepasst zu bewegen. Natürlich hängt das immer von der individuellen Situation ab, und bei akuten oder unklaren Beschwerden braucht es medizinische Abklärung.
Ein Beispiel aus dem Podcast ist Arthrose. Lisa erklärt, dass Gelenke Bewegung brauchen, weil dadurch die Gelenkflüssigkeit besser verteilt wird und der Knorpel über Belastung und Entlastung versorgt werden kann. Ein gutes Warm-up ist deshalb besonders wichtig, gerade wenn Teilnehmer:innen mit Gelenkbeschwerden in die Stunde kommen. Sanfte Bewegungen, Kreisen, Beugen und Strecken können helfen, den betroffenen Bereich vorzubereiten, bevor kräftigere oder stehende Asanas folgen.
Für Yogalehrerinnen bedeutet das: Beschwerden sind kein automatisches Stoppschild. Sie sind ein Hinweis darauf, genauer hinzuschauen, besser vorzubereiten und individueller zu begleiten.
Warum Warm-up im Yogaunterricht mehr ist als Ankommen
Ein gutes Warm-up wird im Yoga manchmal unterschätzt. Dabei ist es gerade für Menschen mit Beschwerden besonders wichtig. Es geht nicht nur darum, „warm zu werden“, sondern den Körper auf Bewegung, Belastung und Wahrnehmung vorzubereiten.
Wenn jemand Knieprobleme hat, kann es sinnvoll sein, nicht direkt in tiefe Standhaltungen zu gehen, sondern zuerst Fuß, Sprunggelenk, Knie und Hüfte sanft zu mobilisieren. Wenn jemand Schulterbeschwerden mitbringt, kann die Stunde davon profitieren, den Schultergürtel langsam vorzubereiten, Brustkorb und Schulterblätter einzubeziehen und erst später in belastendere Positionen zu gehen.
Lisa beschreibt im Gespräch, dass Gelenke durch Bewegung besser vorbereitet werden. Diese Idee ist für den Yogaunterricht sehr wertvoll, weil sie zeigt, dass anatomisches Wissen nicht kompliziert sein muss. Es kann ganz praktisch werden: erst mobilisieren, dann stabilisieren, dann belasten, dann integrieren.
Anatomie muss im Yogaunterricht praktisch werden
Viele Yogalehrerinnen verbinden Anatomie mit Fachbegriffen, lateinischen Muskelnamen und komplizierten Strukturen. Doch für den Unterricht ist nicht entscheidend, jeden Muskel benennen zu können. Viel wichtiger ist, funktionelle Zusammenhänge zu verstehen.
Wenn du weißt, dass ein stabiler Fuß Einfluss auf die Beinachse hat, verändert das deine Anleitung in stehenden Haltungen. Wenn du verstehst, dass Hüftkraft das Knie stabilisieren kann, wirst du im Krieger oder Baum anders unterrichten. Wenn du begreifst, dass die Körpermitte nicht nur aus Bauchmuskeln besteht, sondern Beckenboden, Zwerchfell, Bauch- und Rückenmuskulatur zusammenarbeiten, wird deine Anleitung für Stabilität differenzierter.
Genau diese Art von Anatomie ist im Yogaunterricht wertvoll. Sie hilft dir nicht dabei, Diagnosen zu stellen, aber sie hilft dir, Bewegungen sinnvoller anzuleiten. Du kannst klarer erkennen, wo jemand Unterstützung braucht, und du kannst Varianten anbieten, die nicht beliebig sind, sondern körperlich Sinn ergeben.
Die Rolle der Yogalehrerin: Begleiten statt behandeln
Die Trennung zwischen Yogalehrerin und Therapeutin ist ein zentrales Thema im Gespräch. Lisa ist selbst Physiotherapeutin und Yogalehrerin, kennt also beide Seiten. Gerade deshalb betont sie, dass Yogalehrerinnen zwar von therapeutischem Grundverständnis profitieren, aber nicht automatisch therapeutisch arbeiten.
Yogalehrerin zu sein bedeutet, Menschen in Bewegung, Atmung und Wahrnehmung zu begleiten. Therapeutin zu sein bedeutet, gezielt mit Diagnosen, Beschwerden und Behandlungszielen zu arbeiten. Diese Grenze ist wichtig, damit du dich selbst nicht überforderst und keine falschen Erwartungen erzeugst.
Das heißt nicht, dass du Beschwerden ignorieren sollst. Im Gegenteil. Du darfst sie ernst nehmen, erfragen, mit Varianten arbeiten und gegebenenfalls an Fachpersonen verweisen. Aber du musst nicht so tun, als könntest du etwas behandeln, wofür du nicht ausgebildet bist.
Diese Klarheit ist auch für deine Professionalität entscheidend. Teilnehmer:innen spüren, ob du deine Rolle kennst. Und oft schafft genau diese Rollenklärung Vertrauen.
Wann du an Fachpersonen verweisen solltest
Es gibt Situationen, in denen du als Yogalehrerin klar an Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen oder andere Fachpersonen verweisen solltest. Das gilt besonders dann, wenn Beschwerden akut, stark, unklar oder plötzlich aufgetreten sind. Auch bei Taubheitsgefühlen, Ausstrahlungen, Kraftverlust, Schwindel, starken Schmerzen oder nach Operationen ist besondere Vorsicht sinnvoll.
Wichtig ist dabei, dass ein Verweis keine Schwäche ist. Er zeigt Professionalität. Du erkennst deine Grenze und unterstützt die Person dabei, die passende Hilfe zu finden. Yoga kann danach weiterhin ein wertvoller Teil des Weges sein, aber nicht als Ersatz für medizinische oder therapeutische Abklärung.
Eine klare Formulierung kann lauten: „Ich begleite dich sehr gerne in der Bewegung, aber diese Beschwerden solltest du bitte zusätzlich fachlich abklären lassen, damit wir hier im Yoga sicher arbeiten können.“
Welche Grundlagen Yogalehrerinnen sicher beherrschen sollten
Lisa nennt im Gespräch einige Bereiche, die für Yogalehrerinnen besonders wichtig sind. Dazu gehört zunächst die Arbeit mit den Füßen als Basis. Ein stabiler Fuß, eine gute Dreipunktbelastung und ein bewusstes Fußgewölbe können die gesamte Beinachse beeinflussen.
Auch die Hüfte spielt eine große Rolle, besonders in Bezug auf Knieausrichtung und Stabilität. Wenn das Knie in Standhaltungen immer wieder nach innen fällt, lohnt es sich häufig, nicht nur das Knie selbst anzuschauen, sondern auch Fuß und Hüfte einzubeziehen.
Ein weiterer zentraler Bereich ist die Körpermitte. Stabilität entsteht nicht nur über angespannte Bauchmuskeln, sondern über ein Zusammenspiel von Beckenboden, Zwerchfell, tiefer Bauchmuskulatur und Rückenmuskeln. Wenn Yogalehrerinnen dieses Zusammenspiel besser verstehen, können sie Schüler:innen deutlich klarer in Haltungen begleiten.
Auch Schulter und Nacken sind im modernen Alltag hochrelevant. Viele Menschen sitzen viel, arbeiten am Computer und bringen Verspannungen mit in die Stunde. Hier hilft es, Schulterblätter, Brustkorb und Kopfposition bewusst einzubeziehen, statt nur allgemein „Schultern weg von den Ohren“ zu sagen.
Warum Tadasana eine der wichtigsten Anatomie-Übungen ist
Ein besonders schöner Gedanke aus dem Gespräch: Die scheinbar einfachen Asanas sind oft die lehrreichsten. Tadasana ist dafür ein perfektes Beispiel.
In Tadasana kannst du fast alles beobachten, was für Yoga Anatomie wichtig ist: Fußbasis, Beinachse, Beckenstellung, Körpermitte, Schulterposition und Kopfhaltung. Wenn du lernst, diese Ausrichtung im Stehen wahrzunehmen, kannst du sie später in viele andere Asanas übertragen.
Genau deshalb kann es wertvoll sein, Tadasana nicht als kurze Zwischenposition zu behandeln, sondern bewusst anzuleiten. Je besser Schüler:innen hier spüren, wie Stabilität entsteht, desto leichter können sie dieses Wissen in Kriegerhaltungen, Balancehaltungen oder Sonnengrüße mitnehmen.
Angewandte Anatomie beginnt also nicht bei komplizierten Haltungen. Sie beginnt oft bei den Basics.
Wie du durch Unterrichten sicherer wirst
Am Ende macht Lisa einen wichtigen Punkt: Du wirst nicht zuerst eine vollkommen souveräne Yogalehrerin und unterrichtest dann. Du wirst souveräner, indem du unterrichtest.
Natürlich braucht es Wissen, Weiterbildung und Verantwortungsbewusstsein. Aber ein großer Teil der Sicherheit entsteht in der Praxis. Du lernst durch echte Menschen, echte Fragen und echte Situationen. Du beobachtest, wie unterschiedliche Körper reagieren. Du entwickelst Sprache. Du erkennst Muster. Du merkst, wo du mehr wissen möchtest.
Deine Schüler:innen werden dadurch auch zu deinen Lehrer:innen. Nicht, weil du sie als Übungsfeld missbrauchst, sondern weil jede Stunde dir zeigt, wie vielfältig Körper sind. Wenn du offen, aufmerksam und lernbereit bleibst, wächst deine Kompetenz mit jeder Erfahrung.
Fazit: Sicherheit entsteht nicht durch perfekte Antworten
Wenn Schüler:innen mit Beschwerden in die Yogastunde kommen, brauchst du nicht sofort eine perfekte Lösung. Viel wichtiger ist, dass du deine Rolle kennst, aufmerksam kommunizierst und Menschen dabei begleitest, ihren Körper sicherer wahrzunehmen.
Du musst keine Therapeutin sein. Du darfst Grenzen setzen, Fragen stellen, Varianten anbieten und bei Bedarf an Fachpersonen verweisen. Gleichzeitig darfst du dein anatomisches Wissen vertiefen, damit du dich im Unterricht sicherer fühlst und deine Schüler:innen professioneller begleiten kannst.
Yogaunterricht bei Beschwerden bedeutet nicht, alles zu wissen. Es bedeutet, verantwortungsvoll mit Nichtwissen umzugehen, den Körper ernst zu nehmen und Bewegung so anzuleiten, dass Menschen wieder Vertrauen in sich selbst entwickeln können.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere InformationenFAQ: Yoga unterrichten bei körperlichen Beschwerden
Wenn jemand mit Schmerzen in deine Yogastunde kommt, solltest du zuerst ruhig und klar reagieren. Frage nach, ob die Beschwerden abgeklärt sind, ob bestimmte Bewegungen vermieden werden sollen und wie sich die Person aktuell fühlt. Du musst keine Diagnose stellen und keine therapeutische Lösung anbieten. Wichtig ist, dass die Person nicht in Schmerz hineinpraktiziert und jederzeit Varianten wählen oder pausieren kann.
Grundsätzlich können Menschen mit Bandscheibenvorfall Yoga praktizieren, aber es kommt stark auf die individuelle Situation an. Wenn die Beschwerden akut sind, ausstrahlen oder neurologische Symptome bestehen, sollte ärztlich oder physiotherapeutisch abgeklärt werden, was sinnvoll ist. Als Yogalehrerin kannst du achtsame, angepasste Bewegung begleiten, solltest aber keine Heilversprechen machen und keine therapeutische Behandlung ersetzen.
Nein, du musst nicht alle Beschwerdebilder kennen. Es ist jedoch hilfreich, typische Themen wie Rückenbeschwerden, Knieprobleme, Schulterbeschwerden oder Arthrose grob einordnen zu können. Noch wichtiger als reine Diagnosen ist ein funktionelles Verständnis von Bewegung, damit du Varianten anbieten und die Selbstwahrnehmung deiner Schüler:innen unterstützen kannst.
Die Grenze liegt dort, wo du Diagnosen behandelst oder therapeutische Ziele versprichst. Yogaunterricht begleitet Menschen in Bewegung, Atmung und Körperwahrnehmung. Therapie arbeitet gezielt mit Diagnosen, Befunden und Behandlungsplänen. Als Yogalehrerin darfst du Beschwerden berücksichtigen und Varianten anbieten, solltest aber klar kommunizieren, dass du keine medizinische oder physiotherapeutische Behandlung ersetzt.
Anatomie hilft Yogalehrerinnen, Bewegungen besser zu verstehen und sicherer anzuleiten. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Fachbegriffe auswendig zu können, sondern darum, Zusammenhänge zu erkennen. Wenn du verstehst, wie Fuß, Knie, Hüfte, Körpermitte, Schulter und Nacken zusammenarbeiten, kannst du deinen Unterricht klarer, individueller und professioneller gestalten.


